Champagner Taittinger Les folies de la Marquetterie brut

Zu meinem 50. Geburtstag wollte ich einen nicht ganz alltäglichen und charaktervollen Champagner zum Anstoßen haben. Nach einigem Suchen entschied ich mich schließlich beim Kölner Weinkeller für den Champagner Les Follies de la Marquetterie brut aus dem Hause Taittinger, weil er auf der einen Seite sehr schöne Fruchtaromen versprach und auf der anderen Seite kräftige Barriqueweine mit im Cuvée hatte. Eine interessante Kombination zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis knapp unter 50,- Euro. "Das probiere ich mal zu meinem 'Bergfest' aus", dachte ich mir...und wurde nicht enttäuscht!

Mächtig verrückter Champus

Mit Taittingers Les Follies de la Marquetterie habe ich mir wirklich eine ziemliche Granate ins Haus geholt. Welche Geschichte steckt hinter diesem Champagner?

 

Grundsätzlich trägt auch dieser Champagner den fruchtbetonten, charaktervollen und fülligen Stil des Champagnerhauses Taittinger.

 

Les Folies ist einer der größten Weinberge in der Champagne in Reims, der der älteste Weinberg des  Champagnerhauses Taittinger ist. Das Château La Marquetterie liefert die Reben, die gemischt aus Chardonnay zu 45% und Pinot Noir zu 55% angebaut werden. Wenn die Trauben reif sind, ähnelt dieser steile und sonnenverwöhnte Weinberg aus der Vogelpespektive optisch einem Schachbrett. Verwendet wird nur die erste Pressung (Cuvée) dieser hand(aus)gelesenen Trauben. 30% der Grundweine dürfen in Barriquefässern reifen. Dieser Champagner wird nur in limitierter Auflage hergestellt.

 

 


Taitinger Les Follies de la Marquetterie - Die Optik

Ein wunderschön klarer, mitteltiefer, zitronengelber Farbton im Glas. Sehr feine Perlage, was auf eine lange Lagerung auf der Hefe schließen lässt. Leider fand sich auf der Flasche kein Degorgierungsdatum.


Taittinger Les follies de la Marquetterie - die 4 Nasen

Die Gesamtheit der Geruchseindrücke eines Weines lässt sich besser durch vier verschiedene Durchgänge ermitteln.

Erste Nase

Die Erste Nase zeigt sich, wenn Sie  mit Ihrer Nase in die unmittelbare Nähe des Weinglases kommen und maximal am Rand des Weinglases riechen, ohne Ihre Nase tief ins Glas zu senken.  Der Wein wird weder zuvor noch dabei  geschwenkt. Hier zeigen sich erste Eindrücke von Intensität und Komplexität des Weines. 

 

Mein erster Eindruck beim Taittinger Les Follies de la Marquetterie waren frischer, reifer Pfirsich und ein leichter Vanilleton.

Zweite Nase

Die Zweite Nase zeigt sich nach dem Schwenken des Weines im Glas. Dieses Belüften lässt einen noch verschlossenen Wein seine Aromen besser freisetzen. Er öffnet sich. Ich persönlich täte hier auch das Karaffieren und Dekantieren mit einrechnen. So können  aber auch noch verborgene Weinfehler, die Ihnen nicht gleich bei der Ersten Nase aufgefallen sind, zum Vorschein kommen. 

 

Der frische, reife Pfirsich von der ersten Nase bekommt jetzt Gesellschaft von reifen Aprikosenaromen. Der einst dezente Vanilleton ist jetzt deutlich ausgeprägt.

Dritte Nase

Die Dritte Nase erfahren Sie beim ersten Schluck, wenn Sie den Wein im Mund haben und die Nase im Glas.

 

Alle Gruchseindrücke von vorher intensivieren sich noch einmal: Überreifer Pfirsich, getrocknete Aprikose und ein starker Vanille- und Holzton sind sehr präsent im Mund, ohne gemeinsam unharmonisch zu wirken.

Vierte Nase

Die Vierte Nase zeigt sich, wenn Sie Ihr Glas ausgetrunken haben und es einige Minuten leer da gestanden hat.

 

Hier blieb vor allem das Aroma von den getrockneten Aprikosen zurück. Neu dazu kamen Aromen im Hintergrund, die an einen sehr leichten Maltwhisky erinnerten.

 

Alle Geruchseindrücke waren für mich sauber.


Taittinger Les folies de la Marquetterie brut - Reine Geschmackssache

Von den Analysewerten her ist dieser Champagner mit 10,9 g / l Zucker noch trocken.  Die Gesamtsäure auf den Liter beträgt 3,9 g und der Alkohol beträgt 12,5 % Vol.

 

Wer charaktervolle Champagner mag, die auch geschmackliche Gegensätze gut miteinander  vereinen können, der ist mit dem Les Folies de la Marquetterie brut aus dem Hause Taittinger gut beraten.

 

Aufgrund der überdurchschnittlichen Aromenintensität und Aromenvielfalt dieses Champagners darf die Trinktemperatur gerne bis zu 12 Grad Celsius betragen, wenn Sie das  gesamte Aromenspektrum voll auskosten möchten. Wem das zu intensiv ist, der mag mit der Trinktemperatur bis auf 6 Grad heruntergehen.

 

Dieser charaktervolle Champagner ist voll gereift und zeigt deutliche primäre, sekundäre und tertiäre Geschmacks- und Geruchsnoten.

Welche Speisen passen zu diesem Taittinger Champagner?

Der Taittinger Les Folies de la Marquetterie brut ist gut dazu geeignet, kräftige, geschmacksintensive Speisen zu begleiten oder Gerichte mit gehaltvollen Sahnesoßen.

 

Oder man trinkt ihn so wie ich: pur zu einem besonderen Anlass.

Mein Fazit zu diesem Champagner

Von mehreren internationalen Magazinen wurden dem Les Folies de la Marquetterie durchweg gute Noten attestiert.

 

Gut und vor allem charaktervoll ist dieser Champagner auf alle Fälle. Wir werden noch viele Jahre mit ihm Spaß haben, wenn wir ihn nicht gleich trinken wollen - vorausgesetzt, er wird fachgerecht im Keller oder Weinkühlschrank gelagert.

 

Besonders erstaunlich finde ich, wie der Les Folies de la Marquetterie seine geschmacklichen Gegensätze  durch eine perfekte Balance von intensiven Fruchtaromen und Holzaromen harmonisch miteinander vereinen kann.

 

Was diesem Taittinger-Champagner nach meiner Meinung den Ritterschlag zu einer sehr guten Bewertung gekostet hat, ist der Fakt, dass im Abgang die Fruchtaromen recht schnell verfliegen, während die Holzaromen lange präsent bleiben, aber ohne unangenehm zu sein. Wäre Beides in gleicher länge vertreten gewesen, wäre es für mich ein absoluter Spitzenchampagner gewesen. Aber ich möchte mich hier nicht beschweren. Zu meinem 50. Geburtstag war das echt toll!

 

Und ja: dieser Champagner ist vegan!

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