ProWein 2019 - 25 Jahre ProWein

Auch im Jahr 2019,  zum 25-jähriges Jubiläum der ProWein Messe, war ich wieder als Besucher  dabei!

 

Dieses Mal wollte ich verstärkt auf die Suche nach Bioweinen gehen, informierte mich über die besten veganen Weine und konnte viele neue Kontakte zu Winzern knüpfen, die ihre Weine  biologisch, biodynamisch und natürlich  erzeugen.  Es hat sich auf der ProWein als gut erwiesen, nicht nur zu planen, sondern sich auch immer wieder spontan inspirieren zu lassen. Es ist Sonntag.

 

Von all diesen Entdeckungen präsentiere ich hier meine persönlichen Favoriten  und stelle sie Ihnen hier vor. 

ProWein - Meine Entdeckungen 2019

Wer auf die ProWein Messe geht, sollte sich einen möglichst klaren Plan machen, was er oder sie auf der größten Weinmesse der Welt sehen und finden will.  Das gilt ganz besonders, wenn Sie nur einen Tag auf der Messe sind bzw. sein können. Alles an einem Tag zu sehen, ist fast unmöglich. 

 

Auf der Website der ProWein gibt es die praktische Möglichkeit des Matchmaking, wo Sie angeben können, was Sie auf der ProWein suchen. Daraufhin können sich Anbieter bei Ihnen melden und Ihnen Terminvorschläge unterbreiten. Andersherum können auch Sie direkt Aussteller anschreiben und um einen Termin bitten. Für Besucher, die ganz gezielt bestimmte Produkte für ihren Betrieb einkaufen wollen, ist das die beste Strategie, um effizient zu arbeiten.

 

Ich ging dieses Jahr mit dem Ziel vor Augen zur ProWein, mir Weine anzusehen, die ich letztes Jahr vernachlässigt hatte, aber gerne noch gesehen hätte. Außerdem wollte ich das Thema Naturweine, Bioweine und biodynamisch hergestellte Weine, das am vergangenen Wochenende auf der Raw Wine London federführend war, hier nochmals beleuchten und auch hier Weine verkosten, die in London zu kurz gekommen waren.

 

Die Vorstellung des überarbeiteten WSET Diplomas ist für mich auch ein  großes Thema. Auf der anderen Seite war ich auch offen, mich inspirieren zu lassen. Am Ende wurde es ein guter Mix aus allem. 

WSET - der Wines and Spirits Education Trust

Am Sonntag, den 17. März 2019 um 10:00 Uhr,  saß   ich gespannt am Messestand des Wines and Spirits Education Trust aus London, um dem Vortrag über die reformierte  Weiterbildung zum WSET Diploma  in Wines  zu  hören, die ab August 2019 erstmals in dieser neuen Form unterrichtet werden wird. 

 

Ich hatte vergangenes Jahr viel Arbeit und viel Spaß bei meiner erfolgreichen Weiterbildung zum WSET Level 3 in Wines, die bereits reformiert worden war. Das Thema Madeira wird in Level 4 dann auch endlich intensiv durchgenommen werden, was in Level 3 leider fehlte.

 

Das WSET Diploma möchte ich irgendwann auf jeden Fall beginnen. Dass das Studium mir sehr viel abverlangen wird, ist mir klar. Und alles auf Englisch. Die Prüfungen werden etwas schwerer werden, weil es keine Multiple Choice Aufgaben mehr geben wird...obwohl Multiple Choice Aufgaben auch sehr tricky sein können, wenn man sie nur böse genug formuliert!

 

Bei den Degustationsprüfungen  bekommt man in Zukunft mehr Zeit eingeräumt.  Die gesamten Schulungsunterlagen  werden in Zukunft online verfügbar sein. Dazu kommt der Präsenzunterricht und zentrale Prüfungen. 

 

Die sinngemäße Definition zur  Kompetenzerweiterung durch das WSET Diploma aka Level 4 in Wines gefiel mir sehr gut: Sie können nicht nur ermitteln, wie und wo und aus welchen  Rebsorten  der Wein in Ihrem Glas gemacht wurde. Sie können auch sagen, wie gut und warum  sich dieser Wein an welchem Markt gut oder weniger gut verkaufen lassen wird. Das ist Expert Level pur!  

Bioweine, biodynamische Weine und Naturweine

Das Thema Bioweine, biodynamische hergestellte Weine und Naturweine von der Raw Wine London wollte ich eigentlich auf der ProWein konsequent weiter verfolgen und zum Schwerpunkt machen. Es gab sogar einen großen Naturweinstand mit Degustationsveranstaltungen sowie Stände, die nur für Bioweine und biodynamische Weine reserviert waren.

 

Als ich in Halle 13 angekommen war, traf ich die spontane Entscheidung, den großen Naturweinstand aufgrund langer Wartezeiten für einen Platz auszulassen und mich nur bei den Bioweinen umzusehen. Im vorherigen Artikel über die Raw Wine London 2019 hatte ich mich schon genügend über interessante Naturweine geäußert. Auf der ProWein Düsseldorf hatte ich noch genügend andere, interessante Winzer entdeckt, die der Blogsphäre vorgestellt werden sollten.

 

Ich habe ganz bewusst zwar hochwertige Weine ausgewählt, aber nichts, was preislich in zu astronomische Höhen abdriftet. Meine Empfehlungen sollen letztendlich für Sommeliers, Restaurantbetreiber und auch für Privatinteressenten bezahlbar bleiben. So hoffe ich, den einen oder anderen Kollegen und Weinliebhaber hiermit zu inspirieren.

Sancerre von der Domaine Laporte

Das Weingut Laporte aus Saint-Satur stellt hauptsächlich Sancerre in bester Bio-Qualität her. Die weißen Vertreter von der Loire unterscheiden sich von den Böden und Lagen, auf denen sie angebaut wurden, was sich sehr gut geschmacklich in den Weinen von Laporte widerspiegelt. Sauvignon Blanc Reben auf Kalkstein, Lehm, Mergel und Feuerstein angebaut ergeben den typischen Sancerre-Geschmack - nur mit Bio-Zertifizierung. Der Rosé  und der Rotwein aus Pinot Noir aka Blauer Spätburgunder stellten mich ebenfalls zufrieden. Besonders die Weißweine finde ich filegraner und feiner im Geschmack, was sie konventionell produziertem Sancerre mindestens gleichwertig stellt. Wer Sancerre liebt, ist hier goldrichtig! Der obligatorische Ziegenkäse zum Sancerre stand übrigens schon am Stand bereit.



Biodynamischer Pinot Grigio rosé vom Marbelle Estate

An den Hängen des Majella Nationalparks in Ampulien gedeihen die Trauben  von Nicolino Ciavalini.  Sein Pinot Grigio Terre di Chieti IGP wächst auf einem alten Weinberg, der wie alle Weinberge von Nicolino Ciavalini biodynamisch bewirtschaftet wird.  Die  Pinot Grigio aka Grauburgunder  lässt man 4 bis 6 Stunden  auf den Schalen  liegen, bevor die Trauben gepresst und weiterverarbeitet werden. Das Ergebnis ist ein frischer, intensiver und würziger Wein mit noch mittlerem Alkoholgehalt, der zu vielen eher herzhaften Speisen gut passt.

 

Pinot Grigio Rosé ist in Deutschland nicht so sehr verbreitet und in guter Qualität nicht so leicht zu finden. In  Großbritanien hingegen findet er sich auf vielen Speisekarten wieder und läuft richtig gut. Dort habe ich den Pinot Grigio Rosé kennen und lieben gelernt. Dieser hier ist ein Top-Vertreter seiner Art - salute!

California Dreamin' auf der ProWein 2019

Im vergangenen Jahr hatte ich mich schweren Herzens am Anfang der Prowein von den vielen Ständen mit kalifornischen Wein - insbesondere Zinfandel - nach einiger Zeit getrennt, weil ich in meinem Zeitplan ins Hintertreffen gekommen war. Deshalb blieben letztes Jahr viele kalifornische Winzer unverkostet, obwohl ich kalifornische Weine liebe.

 

Diesmal holte ich nach, was ich im Vorjahr versäumt hatte, aber ohne meinen Zeitplan zu gefährden. Stellvertretend für all die verkosteten Weine habe ich mir die Highlights von den Dry Creek Vinyards herausgesucht, die ihre Weine nachhaltig anbauen und auf jeden Fall für Veganer geeignet sind. Die Dry Creek Vinyards befinden sich in Healdsburg im Sonoma County im Bundesstaat Kalifornien der USA.  Sonoma County ist auf der Zielgeraden komplett auf nachhaltigen Weinanbau umgestellt zu werden.

 

Der Flagschiffwein der Dry Creek Vinyards ist der Fumé Blanc - ein Sauvignon Blanc, der im Holzfass gereift ist. Es ist einer meiner TOP 3 Sauvignon Blanc aus Kalifornien! Bekannt sind das Dry Creek Valley aber vor allem für seinen exzellenten Zinfandel aka Primitivo. Die Rebstöcke aus denen der Old Vine Zinfandel gekeltert wurde, datieren auf 1896 zurück. Das war wirklich ein intensives Degustationserlebnis, das mich auf ganzer Linie zufrieden gestellt hatte.



Englischer Sekt mit Champagner als Vorbild

In Großbritanien wird wirklich guter Sekt produziert. Nur leider ist das in Resteuropa noch ziemlich unbekannt. Letzte Woche auf der Raw Wine London 2019 hoffte ich, erstmals englischen Naturwein verkosten zu können. Mehr als eine Sorte von den wenigen englischen Winzern, die dort waren,  bekam ich aber nicht. Die Stände waren am Nachmittag schon zu überfüllt. Dieses Manko konnte ich jetzt auf der ProWein 2019 in Düsseldorf mit englischem Sekt und Wein ausgleichen.

Nyetimber Sparkling Wines - die Englische Komplettlösung

Nyetimber hat den Ruf, die beste Sektkellerei in ganz England zu sein...und das seit über 30 Jahren.  Nyetimber  Wines waren auch die ersten, die ihren Sekt nach Champagnervorbild herstellten - nur aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier.  Die Winzersektlinie bietet im Grunde jeden Typ von Sekt an, den man braucht:

  • Ein Classic Cuvée, das sich beispielsweise perfekt als Apéritif eignet,
  • einen Blanc de Blancs (Jahrgangssekt) zu leichten Vorspeisen oder Sushi,
  • einen Single Vineyard (Einzellage) Jahrgangssekt für besondere Anlässe,
  • einen Demi-sec zum Dessert und
  • einen Rosésekt zu deftigeren Gerichten.

Im Grunde bleibt hier also kein Wunsch offen.

 

Die Trauben gedeihen in Südlagen im Süden Englands auf Kalk- und Sandböden und werden nach der Méthode Champagnoise vinifiziert. Wer englischen Winzersekt in sein Sortiment aufnehmen möchte, findet hier, was man braucht.



Henners Vinyard hat eine hochprozentige Überraschung

Einen weiteren britischen Sektanbieter, der seinen Sekt im Champagnerstil herstellt, möchte ich noch erwähnen: Henners Vinyards. Nicht nur, weil sie tollen Sekt machen, sondern weil sie noch ein weiteres, hochprozentiges Produkt in ihrem Sortiment führen, das es in sich hat!  Der brut, der brut Réserve und der Native Grace Sekt sind nicht die einzigen Sekte im Sortiment von Henners. Diese 3 Sekte durfte ich aber auf der ProWein 2019 mit Begeisterung probieren. Ein Vintage brut und ein Rosé sind  ebenfalls im Programm. Es gefällt mir, dass Henners Vineyards ihre Artikel aktiv als vegane Artikel bewirbt.



Henners English Sparkling Vinyard bietet auch einen eigenen Gin an. Das klingt zuerst nicht ungewöhnlich. Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass dieser Gin eigentlich ein Marc  ist, sollte Ihr Interesse geweckt sein. Aus der dritten Pressung der Trauben Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier wird ein Tresterbrand hergestellt, der danach mit mit entsprechenden pflanzlichen Beigaben zu Gin weiter verarbeitet wird. Etwas Wein kommt noch hinzu. Henners Gin hat ein sehr intensives Aroma. Für einen Gin Tonic bräuchte man deshalb nur die halbe Menge an Gin zum Mixen. Gemischt wird Henners Gin milchig wie Raki. Dieser Gin ist zum Mixen nach meiner Meinung eigentlich schon zu schade. Es war auf jeden Fall einer meiner ganz großen Highlights der ProWein 2019, mit dem ich so gar nicht gerechnet hatte. Ein garantierter Höhepunkt auf jeder Barkarte beim heutigen Megatrend Gin!

Champagner

Champagner ist und bleibt eine Königsdisziplin für den Veg Somm Blog. Es gibt viele Champagner, die für Veganer geeignet sind. Die Champagne ist eine der großen Vorreiterregionen, wo sich immer mehr Winzer dazu entschließen, ihre Grundweine biologisch, nachhaltig, biodynamisch und auch natürlich anzubauen und zu vinifizieren.

Dom Caudron - Pinot Meunier dominierter Champagner

Stellvertretend für alle Champagner, die ich auf der ProWein 2019 verkosten durfte, habe ich mir ein paar schöne Exemplare jenseits des allgemein  bekannten Mainstreams herausgesucht, die für Veganer geeignet sind und mich wirklich rundherum beeindruckt haben.  

 

Wer mich kennt, weiß, dass ich seit 2017 eine Vorliebe für Pinot Meunier aka Schwarzriesling aka Müllerrebe dominierten Champagner entwickelt habe.  Darum habe ich mit Dom Caudron einen Champagnerhersteller  für Sie ausgewählt, der sich auf Champagner mit hohem Pinot Meunier Anteil spezialisiert hat.  Hier kommen 3 herrliche Vertreter aus dessen Sortiment:

  • Prédiction - Le Meunier au Singulier brut - 100% Pinot Meunier,
  • Épicurienne - Le Meunier conjugué aux Vielles Vignes brut - 100% Pinot Meunier und
  • Fascinante -Le Meunier conjugué en Rosé brut - 80% weiß gekelterter PM, 10% rot gekelterter PM und 10% Chardonnay mit Barriquereife.

Für den Champagner von  Dom Caudron liefern verschiedene Winzer aus und um die französische Gemeinde Passy-Grigny im Marnetal ihre Trauben.

 

Trotz der nur leichten Restsüße passen diese Champagner zu verschiedenen fruchtbetonten, aber nicht zu süßen Desserts, Sushi oder der Rosé zu verschiedenen Käsesorten.


...und weil es so schön war noch 2 weitere vegane Champagner

Zwei weitere hochklassige Champagner von zwei verschiedenen Herstellern wollte ich Ihnen noch unbedingt vorstellen. Das Besondere am ersten Vertreter aus der Champagne ist, dass hier eine Rebsorte von der 'Ersatzbank' zum Einsatz kam, die neben dem allseits bekannten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meinier erlaubt sind: dem Pinot Blanc aka Weißburgunder. Ich schätze solche eleganten Champagner sehr.

 

Rémy Massin & Fils aus Ville-sur-Acre bei Avize hat einen umwerfenden Jahrgangschampagner 100% aus Pinot Blanc kreiert: den 2014er  Cuvée Spécial Club Trésor. Frisch, ausdrucksstark und doch sehr elegant mit Noten von Kirschblüten, Birnen, Blutorangen und etwas Honig. Er passt beispielsweise wunderbar zu einem Spargelrisotto oder als  stilvoller Apéritif. Das Leitbild der Winzerfamilie Massin ist der Bioanbau. Ihr Champagner soll so natürlich wie möglich hergestellt werden.


Der 2009er Clos des Graviers Cuvée Monoparcellaire ist ein außergewöhnlicher Jahrgangschampagner von Champagne Pierre Mignon. Das Champagnerhaus befindet sich in Le Breuil im Marnetal - der Hochburg für Pinot Meunier. Dieser Champagner besteht zur Hälfte aus Chardonnay, 40% aus Pinot Noir und 10% aus Pinot Meunier, hat knapp 9 g Versanddosage / Liter und lagert rekordverdächtige 8 Jahre auf der Hefe. Er hat deutlich mineralische Aromen sowie Aromen von Kakao, weißem Pfeffer und Tabakblättern. Zu aromaintensiven Gerichten oder gar einem rohen Schokoladenkuchen wäre dieser Champagner eine  perfekte Ergänzung.

Mein Fazit zur ProWein 2019

Melody sortiert meine erbeuteten Champagnerdeckel
Melody sortiert meine erbeuteten Champagnerdeckel

Laut Meiningers Weinwirtschaft wurde die Jubiläumsmesse der ProWein 2019 als voller Erfolg gewertet.

 

Dass gut gemachte Weine aus den Rebsorten Chenin Blanc und Gamay wieder im Aufwind sind, Weine aus Höhenlagen eine gesteigerte Nachfrage verzeichnen und Bioweine weiterhin im Aufwärtstrend liegen, ist interessant zu hören.  Champagner ist und bleibt ein Dauerbrenner.

 

Ich bin für meinen Teil mit  meiner Ausbeute von der ProWein 2019 rundherum zufrieden. Wieder habe ich viele interessante Weine entdeckt und wiederentdeckt sowie viele interessante Kontakte geknüpft und natürlich viel Spaß gehabt. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!

 

 

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